Pferdehilfe-pro-Equine e.V .
...einfach nur Pferd sein

Mensch sein auf dem Begegnungshof in der Espe

Einfach Leben inmitten von Leben sein


Lexa Voss, mit ihrem Mann Inhaberin des Begegnungshof in der Espe, ist Sängerin/Songwriterin, Dipl. Gesangspädagogin, Coach für tierbegleitete Persönlichkeitsentwicklung und integrative MusikTherapie sowie Pädagogin für achtsame Tierbegegnungen. Ihr Staatsexamen in den Bereichen der Musik- und Kunstpädagogik, Germanistik und Erziehungswissenschaft nutzt sie seit vielen Jahren, um achtsame, lebendige Brücken zwischen Menschen und Tieren zu schlagen. 

Lexa hilft kleinen und großen Menschen zurück zu ihrer Mitte und ebnet ihnen den Weg ihr eigenes Potential ihrer Natur entsprechend zu nutzen. Begleitet und unterstützt wird sie bei Ihrer wunderbaren Arbeit von ihren Tieren und ihrem Mann. Die Pferdehilfe hat die Zusammenarbeit mit Lexa und ihrem Team immer sehr genossen, da unsere Seminarthemen wunderbar in ihre Welt und auf ihren Hof passen. Wir möchten Euch diese Insel des respektvollen Umgangs, des Friedens zwischen Mensch und Tier, diesen Ort voller Kreativität und Entwicklungsmöglichkeiten näher vorstellen und haben Euch ein Interview mit Lexa aufgezeichnet.   

Nähere Infos zu Lexas Arbeit, Veranstaltungen auf dem Begegnungshof, Unterstützungsmöglichkeiten und Öffnungszeiten findet Ihr am Ende des Interviews. 



 



Pferdehilfe: Du betreibst mit Deinem Mann einen Begegnungshof für Mensch und Tier. Wie kamst Du zu diesem Projekt?

Lexa: Ich hatte schon als Kind die Idee von einem besonderen Ort für Menschen und Tiere. Von einem einladenden Ort, an dem ein achtsames, friedliches Miteinander gelebt wird und alle Tiere ein tiergerechtes Zuhause haben. 2012 war es dann soweit. Wir haben den Ort gefunden und begonnen, unser Herzensprojekt zum Leben zu erwecken. Mit vier Pferden, drei Hunden und zwei Menschen startete der Begegnungshof In der Espe. 

Pferdehilfe: Welche Idee, welches Ziel und/oder welche Botschaft stehen bei Eurem Wirken auf dem Hof im Vordergrund? Was möchtest Du bewirken? 

Lexa: Wir leben ganz nah mit unseren Tieren zusammen, und wir möchten zeigen, dass es möglich ist, sich gegenseitig zu sehen, zu fühlen und in Verbindung zu sein, ohne Druck und Zwang, sondern in einem friedlichen Miteinander.   Menschen diesen achtsamen Umgang mit Tieren zu vermitteln, sie aufmerksam auf die Bedürfnisse der einzelnen Wesen, und diese erlebbar zu machen, wie tiergerechte Haltung und ein friedliches Miteinander aussehen und sich anfühlen kann, das möchte ich zeigen.   



Jedes Tier ist eine wunderbare, indviduelle Persönlichkeit und besonders für die sogenannten „Nutztiere“ wünsche ich mir, dass sie als lebendige Wesen mit Charakter, Bedürfnissen, Vorlieben und Abneigungen wahrgenommen werden.   Hier können Menschen unseren Schafen, Hühnern und bald auch Gänsen nah kommen, ihre Persönlichkeiten erleben und vielleicht mit einer anderen Sichtweise über diese Tiere nach Hause gehen.   
  Bei den Pferden ist mir wichtig, dass wir ihnen fernab des „Stigmas“ Reiten, Reitsport und dem „Benutz-Gedanken“ begegnen.
Der Fokus liegt auf Begegnungen auf Augenhöhe, dem Wahrnehmen des Wesens der Pferde und ihrer Meinungsäußerung.   Wir begegnen den Pferden wertschätzend und unsere Herde sorgt immer wieder für positive Resonanz bei den Menschen, weil eine so friedliche Stimmung spürbar ist.   
  Bei Coachings und Workshops begleiten mich die Tiere, und helfen vielen Menschen, einen neuen Blick auf sich selbst, ihre Themen und die Welt zu werfen und Veränderung anzustoßen.   Was Tiere bewirken können, wie tief sie in unsere Seele blicken und uns an Orten berühren, die wir vorher gar nicht kannten, finde ich unglaublich faszinierend. 

 



 






Pferdehilfe: Welche Pogramme können Besucher bei Euch wahrnehmen? 

Lexa: Auf unserem Hof gibt es verschiedene Möglichkeiten.   
  Ich begleite Erwachsene und Jugendliche in Einzel- und Gruppencoachings und achtsamen Begegnungen mit/bei den Tieren, die bei uns leben.   Selbsterfahrung ist ein großes Thema, Begleitung in herausfordenden Lebenssituationen, Präsenz und Körpersprache, sich selbst und den anderen wahrnehmen, das Kennenlernen eines anderen Wesens, Verbundenheit mit der Natur und den Tieren erleben - in Kurz-Workshops oder Tagesseminaren und mit/bei den Tieren.   Es gibt außerdem tierbegleitete und naturpädagogische Kurse für Kinder, tierisch natürliche Kindergeburtstage, ich bin für das Thema „Pferde“ beim Kindertierschutzpass eines Vereins zuständig und immer mal wieder können Menschen auch bei den HelferInnentagen auf dem Hof dabei sein.   DozentInnen und SeminarleiterInnen von außerhalb bereichern zusätzlich das Programm Seminaren zum Ausdrucksverhalten von Pferden, TCM, Kräuterkunde, Waldyoga, ... 

Pferdehilfe: Der Begegnungshof ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Dennoch muss auch so etwas auch finanziert werden. Wie finanziert sich dieses Projekt? 

Lexa: Das Projekt finanziert sich aus Einnahmen aus Einzel- und Gruppenstunden, Workshops und Kursen.
Außerdem gibt es die Möglichkeit Tierpatenschaften für ein Tier zu übernehmen und uns finanziell oder per Futterspende zu unterstützen.   Im Moment ist die Gründung eines Vereines in Planung.   Ich gebe ebenfalls Gesangsunterricht und Stimm-Workshops, so dass aus diesem Bereich auch Einnahmen zur Verfügung stehen.   Großartige Gewinne erwirtschaften wir nicht. 




Pferdehilfe: Du hast Kinder und Erwachsene aller Alterklassen zu Gast. Was bemerkst Du für Veränderungen bei den kleinen und großen Menschen, die Euch besuchen? 

Lexa: Große und kleine BesucherInnen erleben oft die Tiere noch mal ganz neu. „Oh, da ist ein Huhn ausgebrochen!“, höre ich oft, wenn Kinder zu Besuch sind. Ich erkläre dann, dass sich unsere Hühner ganz frei und so wie sie möchten, hier auf dem Gelände bewegen dürfen. Staunende Augen blicken mich an. Auch die Frage nach dem Reiten taucht regelmäßig - vor allem bei den Kindern - auf. 

  Die Hunde möchten viele Kinder am liebsten an der Leine ausführen.   „Was fändest du am Schönsten, wenn du Hund oder Pferd wärst?“, frage ich dann oft.   Ganz schnell wird den BesucherInnen auf einmal bewusst, dass Tiere ebenso Bedürfnisse haben, wie wir.   Dass sie gern in Freiheit leben, ohne eingesperrt zu sein oder ständig gesagt zu bekommen, was sie zu tun oder zu lassen haben. 

  Erwachsene Menschen sind oft von dem harmonischen Miteinander aller Tiere beeindruckt. Auch die friedliche Stimmungen inmitten der Tiere - der Pferdeherde lässt viele erstaunen, und selbst ängstliche Menschen verlassen den Hof mit einer neuen Erfahrung des Vertrauens in andere Lebewesen.   ErzieherInnen entdecken, dass „Zeit lassen“ so wichtig ist, und überlegen in ihrer Einrichtung der Zeit und der Freiheit noch einmal mehr Raum zu geben. Es gibt Menschen, die begonnen haben, über ihre Essgewohnheiten nachzudenken und diese zu verändern.   Kinder bekommen einen anderen Blick auf „ihre“ Schulpferde und das Benutzen von Tieren allgemein.   Das freut mich natürlich riesig!   

 






Pferdehilfe: Welche Tiere beherbergt der Hof und welche Geschichte brachte diese Persönlichkeiten zu Euch? 

Lexa: Bei uns leben vier Pferde, acht Schafe, sieben Hühner und ein Hahn, zwei Hunde, zwei Katzen und zwei Schildkröten.   Fast alle Tiere haben ihren Weg über den Tierschutz oder aus anderen Situationen, die für sie nicht mehr haltbar waren, zu uns gefunden.   
  Unsere Hunde und Katzen kommen aus dem Tierschutz, unsere Hühnerdamen kamen über eine Geflügelhilfe zu uns, Hahn Jorin war in seinem alten Zuhause zu laut und musste dringend ausziehen, weil die Nachbarn extrem ungehalten wurden.   Unsere Schildkröten habe ich aus dem alten Kindergarten meines Sohnes gerettet. Schaf Suki kam trächtig zu uns, weil auch sie zu laut für die Nachbarschaft war, und ihr schon mehrfach die Schlachtung drohte.   Sie hat hier ihre beiden zauberhaften Zwillinge geboren - Elin und Tayo - die bei uns groß und stark werden dürfen, ohne jemals Sorge um ihr Leben haben zu müssen. 

Von allen Tieren auf dem Hof, begleitet mich Pierre, unser 26 jähriger Schwarzwälder Fuchs am Längsten.   Ihn habe ich vor 16 Jahren mit den Worten angeboten bekommen: „Brauchste nicht noch ein zweites Therapiepferd?“   Pierre ist ein wunderbarer Begleiter, und er hat allen gezeigt, was er davon hält, etwas tun zu müssen, was ihm nicht behagt.   Er hatte große Angst vor Peitschen und Gerten, denn er musste noch bei einem anderen Besitzer mit einem anderen Pferd einen Planwagen ziehen. Pedro, unser argentinisches Pferd, lebte bereits in der Eifel bei einer tollen Familie, und hat auch seine Geschichten im Gepäck.   Im Schiffstransport von Argentinien nach Italien, zwei Wochen lang eingepfercht, um womöglich zu Salami verarbeitet zu werden, haben auch bei ihm Spuren hinterlassen. Highland Pony Melvin ist mit uns gemeinsam auf den Hof gezogen.   Er ist auch ein Tierschutzfall, er und einige andere Pferde wurden von einem Hof befreit, nachdem sie im eigenen Kot, Matsch und Dreck, ohne Futter aufgefunden wurden.   Melvin war lange Zeit sehr ängstlich, hat sich nicht berühren lassen. 


Pferdehilfe: Zu Euren vier Pferden: Was hast Du speziell von Euren Pferden gelernt? Wie prägen Pferde Deine eigene Entwicklung? 

Lexa: Pferde stoßen Veränderung an, sie nehmen uns so wahr, wie wir sind, sie bewerten nicht.   Ich liebe ihre Kraft, ihre Wildheit, ihre Freiheit, ihren Mut, ihre Feinfühligkeit, ihr sensibles Wesen, ihre Ideen, ihre Klarheit und ihr Gleichgewicht, ihre Sprache, die so fein und präzise ist.   Pferde lehren mich Geduld zu haben, Zeit zu lassen, Ruhe zu bewahren, klar zu werden, meinen Raum zu bewahren, Nähe zuzulassen, das Miteinander zu genießen, Erwartungen los zu lassen, mit meiner Energie zu spielen, präsent zu sein, zuzuhören, ...   Und so viel mehr.   Ich lerne immer wieder Neues an mir und mit den Pferden. 

Pferdehilfe: Was möchtest Du Pferdehaltern für ihr Zusammenleben mit ihrem Partner Pferd mit auf den Weg geben? 

Lexa: Ich möchte Pferdemenschen, Pferdeinteressierten, ReiterInnen mitgeben, wie wichtig es ist, sich gegenseitig wahrzunehmen und auf die Bedürfnisse und Zeichen seines Gegenübers zu achten.
Den Raum des Pferdes und seinen eigenen Raum wahrzunehmen, und ein Miteinander zu gestalten.
Menschen dürfen ins Fühlen kommen, und eine Verbindung auf der Basis von Vertrauen, Klarheit und Achtsamkeit kann entstehen.   Ich möchte PferdeliebhaberInnen mitgeben, dass es viele Möglichkeiten gibt, mit Pferden Zeit zu verbringen, fernab des Benutzens der Pferde für unser eigenes Ego, unsere Enspannung und unser Freizeitvergnügen.   Pferde sind so viel mehr als Reittiere, Freizeitpartner und Sportgeräte. 

 



 




Pferdehilfe: Wie hast Du Nico & die Pferdehilfe kennengelernt und wie war die gemeinsame Seminararbeit? 

Lexa: Nico habe ich vor einigen Jahren über das Internet entdeckt und irgendwie war da sehr schnell eine gute Verbindung.   Ich schätze und bewundere ihre Arbeit, ihre Präsenz und Klarheit bei der Vermittlung von wichtiger und auch manchmal schwer verdaulicher Kost.   Nico hat ein enorm großes Wissen über Pferde, ihre Bedürfnisse, ihr Ausdrucksverhalten, die Möglichkeiten, sie zu unterstützen und bringt unheimlich viel Erfahrung mit. Gemeinsam mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund neue Ideen auszuhecken und Seminar zu planen macht große Freude! 


   Pferdehilfe: Was wünschst Du Dir für die Zukunft des Begegnungshofes? 

Lexa: Für die Zukunft unseres Begegnungshofes wünsche ich mir, dass wir so gut vernetzt und präsent sind, dass viele Menschen den Weg zu uns finden, wir unser Herzensprojekt weiter in die Welt bringen können, die Tierversorgung konstant gesichert ist, unsere Tiere hier glücklich und in Frieden alt werden, möglichst gesund bleiben, Menschen Lust haben, uns auf verschiedene Art und Weise zu unterstützen, und wir Veränderung anstoßen können. 


Pferdehilfe: Beende bitte folgenden Satz:Pferde sind … 

Lexa: ...Zauberwesen für mich.
Sie blicken so tief in unsere Seele und berühren uns an Orten, die niemand zuvor erreichen konnte. 


Nähere Infos zu Lexas Arbeit, Veranstaltungen auf dem Begegnungshof, 

Unterstützungsmöglichkeiten und Öffnungszeiten findet Ihr unter: 


http://www.pferden-natuerlich-begegnen.de/Willkommen.html