Pferdehilfe-pro-Equine e.V .
...einfach nur Pferd sein

 Erfahrungsbericht aus dem Leben mitten in der Pferdehilfe


Wir haben Marisa Hansen gebeten, ihre persönlichen Eindrücke mittels eines kleinen Interviews zu schildern. Marisa ist und bleibt immer ein ganz besonderer Teil der Pferdehilfe. Kaum jemand hat sich so derart ins Zeug gelegt unseren Schützlingen Tag für Tag das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Viele versehrte Seelen hat sie auf dem Weg durch die Reha in ein neues Leben begleitet. Sie hat sich weit über ihren "Job" hinaus engagiert und jederzeit 100 % und mehr für jedes der bei uns gestrandeten Tiere gegeben. Marisa kennt die Sonnenseite einer Pferdehilfe ebenso wie die Schattenseiten. Sie kennt das Leben wie auch den Verlust, den Tod vieler Schützlinge ebenso wie den Weg der Genesung. Freud und Leid liegen an einem derartigen Arbeitsplatz sehr nah beieinander. Nico ist ihr auf ewig dankbar für ihr großes Pferdeherz, ihre Arbeitswut, ihr Durchhaltevermögen, ihr Fachwissen, ihr waches und gutes Auge und ihre absolute Solidarität gegenüber denen, die Hilfe brauchen.

Pferdehilfe: Als private Pferdehalterin bist Du irgendwann auf die Pferdehilfe gestoßen. Wie konnte das bloß passieren?  

Marisa: Ich habe auf dem Nachbarhof gegenüber der Pferdehilfe in Haltern das Pferd meiner Freundin betreut. Sie nahm mich eines Tages dann mit auf die andere Seite, zur Pferdehilfe. Es entpuppte sich sehr schnell im wahrsten Sinne des Wortes zur "anderen Seite" der Pferdehaltung. Ich war ab der ersten Sekunden sehr beeindruckt. Ab dem Tag war ich regelmäßig drüben um die Bewohner besser kennen zu lernen, um mehr über die Pferdehilfe zu erfahren. Ich wurde mit der Zeit zu einem Teil der Pferdehilfe.

Pferdehilfe: Wie verlief Dein erster Kontakt zu Nico?  

Ich fühlte mich sofort willkommen. Nico hat sich viel Zeit genommen und mir bei einem Sojakaffee meine vielen Fragen ausführlich beantwortet. Ich war ab der ersten Sekunde tief beeindruckt von ihrer Hingabe, ihrer Fürsorge und was sie für die ganzen gebrochenen Seelen auf die Beine gestellt hat. Ein Paradies für alte, kranke, ausgebeutete und vor allem erschöpfte Seelen. 

Marisa mit Jamal & Abal 


 




Pferdehilfe: Im Laufe der Zeit hast Du einen Nebenjob bei der Pferdehilfe begonnen und die aktive Pflege der Rehapferde weit über Deinen Job hinaus unterstützt. Was hat diese Arbeit bei dir hinterlassen? Was nimmst Du aus dieser Zeit mit?    

Marisa: Die Arbeit war alles für mich. Zu sehen, wie die gebrochenen Seelen, wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrem Leben, aufblühen konnten bzw. durften. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Davon ein Teil zu sein, macht mich sehr glücklich und stolz. Ich möchte keine Sekunde missen, obwohl nicht jede Sekunde einfach war. Ich bin dankbar, dass ich Nico und die Pferde kennen lernen durfte und unsere Schützlinge auf ihrer letzen Reise begleiten konnte. Sie waren die besten Lehrmeister und jeder Einzelne hat einen Platz in meinem Herzen mit ganz tollen Erinnerungen. Sie haben mir beigebracht zu beobachten, zuzuhören, zu spüren und im richtigen Moment zu sehen. Durch Nico und die Pferde lernte ich mich neu kennen. Das war eine tolle und lehrreiche Zeit. 

Pferdehilfe: Welche Erfahrungen oder Erlebnisse waren für Dich am Eindruckvollsten?    

Marisa: Da gibt es so viele.  Natürlich die Begegnung mit meiner Wohlfühloase Pferdehilfe. Hier war alles so unbeschwert, obwohl es das sicher nicht war. Aber es tat so gut auf die 'andere' Seite zu gehen. Der Alltag und die Probleme waren auf einmal weit weg.  Die Verbindung zwischen Nico und den Pferden fand ich bewundernswert, vor allem die zwischen ihr und ihrem Fräulein Monk war magisch und kaum in Worte zu fassen. Dann die Pferde die ich von Anfang an begleiten durfte. Wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelten.  Maria, die nichts und niemanden an sich dran ließ war die Erste, bei der ich von Anfang an ihre Verwandlung miterleben durfte.  Helenchen, so ein kräftiges Kaltblut und doch wie ein kleines Mäuschen. Sie hatte aber schon gelernt, dass Menschen an die unmöglichsten Stellen zum Kratzen kommen. Ich liebte ihr Putzgesicht und ihre Schnarchgeräusche, wenn sie schläft.  Meine erste Beschlagnahmung mit dem Veterenäramt war sehr aufregend und emotional.  Zu sehen welchen Schmerz und wieviel Leid viele Pferde in ihren Augen hatten, was sie erzählten und manche haben sich aufgegeben, das hat mich sehr berührt. Manchmal nur zuzusehen, aber nichts tun zu können, war die größte Herausforderung.  Die unzähligen Zahn-OPs, bei denen ich live dabei sein durfte und viel gelernt habe.  Die manchmal langwierige Diagnostik, die am Ende über Leben und Tod entschieden hat.  Ich könnte die Liste der wertvollen Erfahrungen jetzt noch weiter fortführen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. 


Pferdehilfe: Hat sich Dein Blick auf den Pferdesport und/ oder die Pferdewirtschaft verändert?    

Marisa: Ja auf jeden Fall. Früher bin ich selber im Turniersport aktiv gewesen, heute undenkbar. Die Pferde haben alle Stress, die einen mehr, die anderen weniger. Sie können nicht wie wir sagen, dass es zu viel ist, der Druck zu hoch ist und dann einfach aussteigen.Dies zu erkennen, können die meisten Reiter nicht oder sie wollen es nicht sehen.  Alte Pferde müssen und dürfen nicht klapprig und krank aussehen. Jedes Pferd hat ein Recht auf eine tierärztliche Behandlung, wenn nötig, genügend Futter und entsprechende Haltung, egal in welchem Alter. Wie oft hat man schon gehört: "Das lohnt sich doch nicht mehr." Es lohnt sich für jedes Lebewesen! 

Marisa mit Miss Marple 


Pferdehilfe: Was möchtest Du Pferdehaltern für ihr Zusammenleben mit ihrem Partner Pferd mit auf den Weg geben?    

Marisa: Jeder sollte sich die Frage stellen, ob er das Leben seines Pferdes führen möchte, ob man so behandelt werden möchte. Könnte man die Rollen tauschen, würde man angepasst an die Bedürfnisse und den Freiheitsdrang der Pferde dies tun?  Ich möchte jedem ans Herz legen, seinem Freund zu zuhören, ihn wahrzunehmen und zu akzeptieren, wenn es auch hier und da mal einen schlechten Tag gibt. Beobachtet und lernt sie ganz neu kennen.      

Pferdehilfe: Beende folgenden Satz:" Pferde sind..."   

Marisa: ...wie ein Spiegel. 

 

 

Marisa mit Jamal, Helene & Maria